Im Inneren des ZimaCube: Vom Auspacken bis zum Zerlegen

Eva Wong ist die technische Redakteurin und begeisterte Tüftlerin bei ZimaSpace. Als lebenslanger Geek mit einer Leidenschaft für Homelabs und Open-Source-Softwarehat sie sich darauf spezialisiert, komplexe technische Konzepte in verständliche, praxisnahe Anleitungenzu übersetzen. Eva ist überzeugt, dass Self-Hosting Spaß machen sollte und nicht einschüchternd sein darf. Mit ihren Tutorials hilft sie der Community dabei, Hardware-Setups zu durchschauen, vom Bau des ersten NAS bis zum sicheren Umgang mit Docker-Containern.

Viele fragen: „Es ist doch nur ein NAS. Was gibt es da zu zerlegen?“

Die Antwort steckt in jedem Detail des ZimaCube. Vom passgenauen Schaumstoff in der Verpackung bis zu den kupferfarbenen Schrauben auf der Hauptplatine zeigt dieses Gerät deutlich mehr durchdachtes Design, als ein Datenblatt erkennen lässt.

Heute werden wir den ZimaCube von Anfang bis Ende zerlegen.

Auspacken: mehr als nur ein NAS auspacken

Der ZimaCube ist in hochdichtem, passgenau angefertigtem Schaumstoff verpackt. Die Haupteinheit sitzt sicher in der Mitte des Kartons. Netzteil, Ethernetkabel, Schraubenpackung, Schraubendreher und Dokumentation haben jeweils ein eigenes Fach.

Lieferumfang:

  • ZimaCube-Haupteinheit ×1
  • Netzteil + Netzkabel ×1 Set
  • Cat-6-Ethernetkabel, 1 Meter ×1
  • Festplattenschrauben + Schrauben für die Gummifüße ×1 Packung
  • Schraubendreher ×1
  • Schnellstartanleitung ×1

Ein erwähnenswertes Detail ist das Cat-6-Kabel. Es ist genau lang genug, um eine Verbindung zwischen einem Desktop-Setup und einem Router herzustellen, und der Stecker ist abgeschirmt. Es wirkt nicht wie ein Wegwerf-Zubehörteil.

Offizielle Verpackungsübersicht des ZimaCube mit sämtlichem enthaltenen Zubehör: Haupteinheit, Netzteil, Ethernetkabel, Schrauben, Schraubendreher und Benutzerhandbuch

Äußeres: minimalistisch, aber nicht schlicht

Der ZimaCube folgt einer zurückhaltenden Designsprache. Die Standardversion hat ein Gehäuse aus silberfarbener Aluminiumlegierung, während die Pro-Version in Schwarz erhältlich ist. Die Frontblende ist ausgesprochen schlicht und verfügt lediglich über Statusleuchten, ganz ohne unnötige Zierlinien.

Anschlüsse an der Vorderseite:

  • USB 3.0 Type-A ×2
  • USB-C 3.0 ×1

Anschlüsse auf der Rückseite:

  • Thunderbolt 4 ×2
  • USB 3.0 Type-A ×2
  • 2.5GbE RJ45 ×2 (Die Pro-Version bietet zusätzlich 10GbE ×1)
  • HDMI ×1
  • DisplayPort ×1

Die Stellfläche ist kompakt, ungefähr vergleichbar mit einem HP ProLiant MicroServer, aber kürzer. Auf einem Schreibtisch wirkt er nicht fehl am Platz.

Erster Schritt beim Zerlegen: ganz ohne Werkzeug

Die Frontblende ist magnetisch befestigt. Ziehen Sie sie vorsichtig unten mit den Fingern ab, und schon lässt sie sich abnehmen. Es gibt keine Kunststoffclips, also müssen Sie sich keine Sorgen machen, etwas abzubrechen.

Die beiden Seitenteile haben eine Gleitschienenkonstruktion und lassen sich einfach durch Drücken nach außen abnehmen. Noch besser: Die linke und die rechte Seitenwand sind identisch und austauschbar. Das ist kein Zufall. Diese Symmetrie entsteht nur durch bewusstes Design.

In weniger als zwei Minuten kannst du den gesamten Innenaufbau des ZimaCube sehen, ganz ohne Werkzeug.

Nahaufnahme der Vorderseite des ZimaCube mit seinem minimalistischen Design und den Anschlüssen, darunter USB-A und USB-C, dem Einschaltknopf und den Statusanzeigen

Innenaufbau: Auf den ersten Blick geräumig, voller Details

Der erste Eindruck nach dem Öffnen: Alles ist ordentlich angeordnet. Die interne Struktur lässt sich in sechs klar abgegrenzte Bereiche unterteilen.

  1. Laufwerkskäfig: 6 Schächte

    Der Laufwerkskäfig nimmt den größten Teil des vorderen Gehäusebereichs ein. Er bietet sechs 3,5-Zoll-Laufwerksschächte, jeweils mit einem eigenen Laufwerkseinschub.

    Die Einschübe lassen sich nicht werkzeuglos montieren. Du benötigst weiterhin Schrauben, um die Laufwerke zu befestigen. Da Festplatten jedoch normalerweise monatelang eingebaut bleiben, ist das kein echtes Bedienungsproblem. Beim Einschieben rasten die Einschübe spürbar mit einem deutlichen Klick ein und fühlen sich stabil an.

  2. NVMe-Erweiterungskarte: 4 Steckplätze

    Hinter dem Laufwerkskäfig befindet sich eine kompakte NVMe-Erweiterungskarte mit vier M.2-Steckplätzen. Die Karte ist über PCIe mit dem Motherboard verbunden. Da die Bandbreite gemeinsam genutzt wird, liegt die Lese-/Schreibgrenze für diese vier Steckplätze bei etwa 800 MB/s.

    Dadurch eignen sie sich eher für einen Speicherpool mit hoher Kapazität als für leistungsintensive SSD-Aufgaben. Auf der Rückseite der Tochterplatine befindet sich außerdem ein USB-C-Anschluss, dessen Zweck noch nicht bekannt gegeben wurde.

    Über der Tochterplatine befindet sich ein Kühlkörper, der die NVMe-SSDs passiv kühlt.

  3. NVMe-Steckplätze auf dem Motherboard: 2 Steckplätze mit voller Geschwindigkeit

    Das Motherboard selbst verfügt außerdem über zwei M.2-NVMe-Steckplätze. Diese nutzen direkt an die CPU angebundene PCIe-Lanes und unterliegen nicht der Begrenzung auf 800 MB/s.

    Ein Steckplatz ist bereits mit einem 256-GB-Bootlaufwerk für ZimaOS belegt. Der andere ist frei, sodass Nutzer eine leistungsstarke NVMe-SSD als Cache oder Systemlaufwerk hinzufügen können.

    Empfehlung: Wenn Geschwindigkeit wichtig ist, installiere deine primäre NVMe-SSD in einem der Motherboard-Steckplätze und reserviere die vier Steckplätze auf der Erweiterungskarte für Speicher mit höherer Kapazität.

  4. Speichersteckplätze: Dual-DDR5-SO-DIMM

    Die beiden DDR5-SO-DIMM-Steckplätze befinden sich auf der Vorderseite des Motherboards. Nach dem Entfernen der Seitenabdeckung sind sie direkt zugänglich, ohne dass andere Komponenten ausgebaut werden müssen. Das ist bei kompakten NAS-Systemen nicht üblich.

    Die offiziell maximal unterstützte Speicherkapazität beträgt 64 GB.

  5. PCIe-Erweiterungssteckplätze: 2 Steckplätze

    Der ZimaCube bietet zwei PCIe-Erweiterungssteckplätze:

    • Steckplatz 1: PCIe Gen 4 ×4, physischer ×16-Anschluss
    • Steckplatz 2: PCIe Gen 3 ×2, physischer ×8-Anschluss

    Es werden Karten mit halber Bauhöhe und flachem Profil unterstützt. Die Stromversorgung erfolgt jedoch ausschließlich über den PCIe-Steckplatz; ein zusätzlicher Stromanschluss ist nicht vorhanden.

    Das bedeutet, du kannst eine Netzwerkkarte mit vier Anschlüssen, eine HBA-Karte oder eine flache Grafikkarte wie eine GTX 1650 LP oder RTX A2000 installieren. Karten, die eine externe Stromversorgung benötigen, werden nicht unterstützt.

  6. Interner USB-2.0-Anschluss

    Auf dem Motherboard befindet sich ein standardmäßiger interner 9-poliger USB-2.0-Anschluss, wie er häufig für die USB-Anschlüsse an der Vorderseite von Desktop-PCs verwendet wird.

    Das bedeutet, du kannst:

    • Einen internen USB-Boot-Stick für Unraid installieren
    • Einen Wiederherstellungs-USB-Stick dauerhaft angeschlossen lassen
    • Andere USB-Geräte anschließen, ohne die externen Anschlüsse zu verwenden

    Einen solchen Anschluss in einem NAS zu sehen, ist wirklich überraschend. Angesichts der Positionierung des ZimaCube ergibt es aber auch Sinn.

Innenansicht des zerlegten ZimaCube mit Motherboard, installiertem DDR5-SO-DIMM-RAM, CPU-Kühler und Erweiterungssteckplätzen

Lüftersystem: Unabhängiger Controller + ungenutzter SYS_FAN-Anschluss

Der ZimaCube ist mit zwei hinteren Abluftlüftern ausgestattet, die den Laufwerkskäfig kühlen. Im Normalbetrieb ist die Geräuschentwicklung niedrig genug, um die Arbeit nicht zu stören. In einem ruhigen Raum ist der Lüfter zwar hörbar, aber keineswegs laut.

Eine interessante Entdeckung beim Zerlegen: Das Motherboard hat einen SYS_FAN-Anschluss, der jedoch ungenutzt ist. Die hinteren Lüfter sind stattdessen an einen unabhängigen Controller angeschlossen und werden nicht über die Lüftersteuerung des Motherboard-BIOS geregelt.

Das bedeutet zweierlei:

  1. Wenn du ein besonders leises Setup möchtest, könntest du die hinteren Lüfter an den SYS_FAN-Anschluss des Motherboards anschließen und die Lüfterkurve im BIOS manuell anpassen.
  2. Alternativ könntest du die Standardlüfter durch leise Lüfter von Drittanbietern ersetzen, zum Beispiel durch Noctua-NF-A8-Modelle, und dabei das Standardverhalten des unabhängigen Controllers nutzen.

Dieses Design könnte beabsichtigt sein. Ein unabhängiger Controller kann den Betrieb nach einem Stromausfall oder Neustart automatisch wieder aufnehmen, ohne von BIOS-Einstellungen abhängig zu sein.

Nahaufnahme der zwei hinteren Abluftlüfter des ZimaCube, die für die effiziente Kühlung des Laufwerkskäfigs und der internen Komponenten ausgelegt sind

Stromversorgung: Externes Netzteil

Der ZimaCube verwendet ein externes Netzteil mit DC-Hohlsteckeranschluss. Dies ist einer der wenigen Aspekte des Gesamtdesigns, bei denen man denkt: „Es wäre schön, wenn das Netzteil intern verbaut wäre.“

Beim Zerlegen zeigt sich, dass über dem Laufwerksschacht etwas Platz ist. Könnte eine künftige Version das Netzteil im Gehäuse unterbringen und stattdessen einen standardmäßigen C13-Netzanschluss verwenden, entfiele das zusätzliche Netzteil auf dem Schreibtisch und das ganze Gerät würde eher einem professionellen Server mit kleinem Formfaktor entsprechen.

Allerdings hat das externe Design auch einen Vorteil: Wenn das Netzteil ausfällt, kann man es einfach austauschen, ohne das ganze Gerät zur Reparatur einschicken zu müssen.

Zwei ungelöste Rätsel

Beim Zerlegen fielen zwei interessante Details auf.

Die rätselhaften Abstandshalter

Auf einer Seite des Gehäuses befinden sich vier gleichmäßig angeordnete Abstandshalter. Sie sind eindeutig für etwas vorgesehen. Aber wofür genau?

Eine zusätzliche Lüfterhalterung? Eine andere Laufwerksschacht-Konfiguration? Derzeit gibt es keine offizielle Antwort.

Der USB-C-Anschluss auf der NVMe-Tochterplatine

Wofür genau ist der USB-C-Anschluss auf der NVMe-Tochterplatine gedacht?

Datenübertragung? Fehlerbehebung? Externer Speicher? Vielleicht erfahren wir das erst durch künftige Firmware-Updates oder Dokumentation.

Diese beiden Details sind interessant, weil sie darauf hindeuten, dass im Design des ZimaCube noch weiteres „freischaltbares“ Potenzial verborgen sein könnte.

Fazit: Zum Öffnen gemacht

Nach dem Zerlegen des ZimaCube ist die wichtigste Erkenntnis nicht einfach, wie viel Hardware darin steckt. Vielmehr ermutigt das Gerät aktiv dazu, daran herumzubasteln.

  • Die magnetische Frontblende und die verschiebbaren Seitenwände ermöglichen den werkzeuglosen Zugriff in zwei Minuten.
  • Speicher-, PCIe- und NVMe-Steckplätze sind leicht zugänglich.
  • Der interne Aufbau lässt bewusst Platz für Änderungen.
  • Versteckte Anschlüsse und freie Abstandshalter scheinen zu sagen: „Nur zu, probier’s aus.“

Dies ist kein geschlossenes Gerät, das erwartet, dass man es kauft, benutzt und nie wieder öffnet.

Ganz im Gegenteil. Jedes Detail des Designs lädt zum Erkunden, Aufrüsten und Anpassen ein.

Für NAS-Enthusiasten und Homelab-Nutzer, die gern tüfteln, ist das Gefühl, dass man ihnen etwas zutraut, vielleicht reizvoller als jede technische Angabe auf dem Papier.

Mehr erfahren: https://shop.zimaspace.com/collections/all-products/products/zimacube-2-personal-cloud-nas

Danksagung: Dieser Artikel basiert auf dem ZimaCube Experience Blog des Community-Mitglieds Bob. Vielen Dank an Bob für seine ausführlichen Notizen zum Zerlegen und seine ehrlichen Erfahrungsberichte.

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